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Bücher, Zeitschriften, Brett- und Kartenspiele

Beitragvon Dr. Zoidberg am 29. Dezember 2012 11:11

The Understudy by David Nicholls

Stephen McQueen (nein - nicht der Steve McQueen) ist ein recht erfolgloser Schauspieler, der, vor allem um seine kleine Tochter und seine Ex-Frau zu beeindrucken, auf den großen Durchbruch hofft; immerhin ist er schon die Zweitbesetzung in einem erfolgreichen Theaterstück, hat jedoch das Pech, dass Josh Harper, der Star der Rolle, nicht nur #12 Sexiest Man Alive, sondern auch mit einer unkapputbaren Gesundheit ausgestattet ist...

Ganz lustiger und kurzweiliger Roman, nichts Weltbewegendes, aber durchaus unterhaltsam. Hab ich hauptsächlich gelesen, um herauszufinden, ob es als Weihnachtsgeschenk für eine Freundin mit speziellem Geschmack geeignet war. :D
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 21. Januar 2013 10:15

Hui, ich hab ja einige Bücher in der letzten Zeit gelesen, aber ganz aufs posten vergessen. ;) Das heißt, es könnten jetzt ein paar Posts hintereinander von mir kommen. :hide: ;)

Catch-22 by Joseph Heller

Einer der berühmtesten (Anti-)Kriegsromane überhaupt, der wie wenige andere die Absurdität des Krieges zeigt:
In den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs ist die amerikanische Bomberstaffel, in der auch John Yossarian dient, auf einer kleinen italienischen Insel stationiert. Yossarian, der schon um die fünfzig Missionen geflogen ist, hat genug von dem Wahnsinn um ihn herum, und beschließt, sich als verrückt auszugeben, um nicht die nächste, höchst gefährliche Mission fliegen zu müssen. Doch da tritt der Catch-22 in Kraft - jeder, der sich als verrückt ausgibt, um nicht kämpfen zu müssen, ist nicht verrückt. Und gleichzeitig ist jemand, der sich freiwillig für eine gefährliche Mission meldet, zu verrückt, um dafür tauglich zu sein.
Doch der verrückte Yossarian ist noch der "normalste" Charakter auf der Insel, wo der Krieg mittlerweile eine einzige Bürokratie darstellt - alle rund um ihn herum sind komplett durchgedreht, außer im Bezug auf den Krieg, der als unumgänglich angesehen wird...

Ich fand das Buch anfangs sehr anstrengend zu lesen (ich hab auch circa fünf Monate für die 600 Seiten gebraucht, wobei ich zwischendurch eine ziemlich lange ASoIaF-Pause gemacht hab), mit der Zeit bin ich aber sehr gut hinein gekommen und am Ende war ich begeistert von der Erzählweise und der Absurdität, die wirklich an jeder Ecke der Geschichte hervorkommt. Was das Buch anfangs zusätzlich verwirrend macht (abgesehen davon, dass sich viele Charaktere absolut unlogisch, unerwartet und widersprüchlich verhalten) ist seine nicht-lineare Erzählweise; jedes Kapitel bezieht sich auf einen anderen Charakter, sodass in der Handlung teilweise vorgegriffen wird oder wichtige Elemente erst später erklärt werden.
Trotzdem kann ich das Buch nur weiterempfehlen - mal ganz was anderes, und ein sehr wichtiger Beitrag zur literarischen Aufarbeitung des (Zweiten Welt)Krieges. :up:
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 7. Februar 2013 10:47

Kim Novak badete nie im See von Genezareth von Håkan Nesser

Eine Kleinstadt in Schweden in den Sechzigern: Während seine Mutter an Krebs stirbt, wird der 14jährige Erik gemeinsam mit seinem Schulfreund Edmund ins Haus am See geschickt, um dort den Sommer zu verbringen, und auf andere Gedanken zu kommen. Mit dabei ist Eriks älterer Bruder Henry, der beschlossen hat, Autor zu werden und eine Affäre mit Ewa, Eriks wunderschöner Aushilfslehrerin, begonnen hat.
Während die Sommertage durchs Land ziehen, einer schöner, viel versprechender und unerschöpflicher als der andere, dräut am Horizont bereits das SCHRECKLICHE, das sich irgendwann in diesem Sommer ereignen wird, angekündigt schon auf Seite 2, dazwischen immer wieder in Vergessenheit geratend, aber dennoch präsent als dunkle Ahnung - bis zum umwerfenden Schluss.

Ein ganz ein tolles Buch, das in mir nicht nur wunderschöne Erinnerungen an Sommerferien aus der Kindheit und Jugend wieder erweckt hat, sondern einen nach und nach immer mehr fesselt, bis... aber nein, ich will ja nichts verraten. ;)
Absolut empfehlenswert!! :upup:
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 13. Februar 2013 09:25

The Great Gatsby by F. Scott Fitzgerald

New York, 1922 - mitten in den années folles. Nick Carraway, frisch von der Uni und mit dem Bestreben, sich in einer Tag für Tag wachsenden Großstadt einen Namen und eine Karriere zu machen, zieht nach Long Island, in eine Gegend im Umbruch zwischen rapide wachsenden Villenvierteln und den immer schneller verschwindenden Häusern aus der Zeit davor. Neben seinem bescheidenen Häuschen befindet sich die riesige Villa des exzentrischen Millionärs Jay Gatsby, der Nacht für Nacht für die High Society extravagante Partys schmeißt, ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten oder seine Gäste auch nur zu kennen.
Ebenfalls auf Long Island wohnt Daisy Buchanan, eine Verwandte Nicks mit ihrem rüden Ehemann Tom, den Nick von Yale kennt; diese Bekanntschaft ist es auch, die Nick plötzlich für seinen Nachbarn, den großen Gatsby, interessant macht...


Vor der - zumindest von mir - mit Spannung erwarteten Neuverfilmung wollte ich diesen Klassiker endlich auch mal selber lesen, was bei den gerade mal 130 Seiten auch kein besonders aufwändiges Unterfangen ist. Schnell findet man sich gefesselt von einer Welt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, des schier unendlichen Luxus' und des Aufbruchs nach dem Ersten Weltkrieg, der schon sehr fern und fast unmöglich scheint. Gerade diese Stimmungen, die in eine mysteriöse, tragische Liebesgeschichte eingebettet sind, machen das Buch zu einem spannenden Zeitdokument und zu einem verdienten Klassiker der amerikanischen Literatur! :up:
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 24. Februar 2013 21:30

Making History by Stephen Fry

Stephen Young fühlt sich am Ziel seiner Träume: sein Meisterwerk, seine Dissertation über das frühe Leben Adolf Hitlers, mit der er sein Geschichtestudium in Cambridge abschließen will, ist endlich fertiggestellt. Doch dann geht alles schief: seine Freundin, eine Biologiestudentin, die an einer Pille für den Mann arbeitet, macht Schluss mit ihm, und als er sein Meisterwerk auf die Uni bringen will, kollidiert er mit Prof. Leo Zuckermann, einem steinalten Physiker und seine Arbeit löst sich in einem Zettelregen auf.
Als Zuckermann erkennt, worüber Michael seine Arbeit geschrieben hat, beginnt er diesen für seine Zwecke zu rekrutieren: Zuckermann, der in Auschwitz aufgewachsen ist, hat eine Zeitmaschine entwickelt; durch Michaels genaue Kenntnisse über Hitlers Kindheit schaffen sie es, eine der Unfruchtbarkeitspillen in die Wasserversorgung im Braunau des Jahres 1888 zu schicken.
Sofort beginnt sich die Welt zu verändern - Michael Young bewahrt sein Bewusstsein, wacht aber in einer alternativen Realität auf, in der Hitler nie geboren wurde - wo "dessen Platz" jedoch von einem anderen besetzt wurde...

Ein recht interessantes, zeitweise sehr provokantes und teilweise auch ganz witziges Alternate History-Buch vom bekannten Komiker Stephan Fry. Vor allem die Kapitel, die in Braunau selbst (warum er dieses ständig als Brunau falsch schreibt, versteh ich bei dem sonst recht gut recherchierten Buch beim besten Willen nicht...) und während des Ersten Weltkriegs spielen und Hitler bzw. Gloder im Mittelpunkt haben, lesen sich wohl überlegt und nicht unbedingt klischeehaft, was keineswegs selbstverständlich ist.
Letztlich bleibt doch ein etwas bitterer Geschmack zurück. Zum einen finde ich den Gedanken, dass der Aufstieg des Nationalsozialismus, die "Endlösung der Judenfrage" und der Zweite Weltkrieg gänzlich von der Person Hitler entkoppelt als quasi unausweichlich dargestellt werden, etwas befremdlich und problematisch. Zum anderen hatte ich teilweise das Gefühl, als würde das Leid zweier vom Holocaust betroffener Gruppen - Juden und Homosexuelle - gegeneinander ausgespielt werden. Das Fazit des Buches (so wie ich es verstanden habe), dass die Vernichtung von sechs Millionen Juden zwar furchtbar war, aber der Verlauf der Geschichte wenigstens die heutige, liberalere und offenere Gesellschaft nach sich gezogen hat, ist schon harter Tobak... :/
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 4. April 2013 09:39

Young Stalin by Simon Sebag Montefiore

young-stalin.jpg


Mal wieder ein Sachbuch, das sich um ein großes historisches 'Rätsel' dreht: Wie wurde aus dem Sohn eines georgischen Schuhmachers und einer Hausfrau zuerst ein Chorknabe, Priesterseminarist, Dichter, Pirat, Bankräuber, Politiker - und schließlich einer der brutalsten und gefürchtetsten Diktatoren der Welt?
Als Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili 1878 in der georgischen Kleinstadt Gori, an der Peripherie des russischen Zarenreiches, geboren wurde, hätte wohl niemand die verwinkelten Züge des Schicksals ahnen können, die ihn einmal an die Spitze einer der beiden Supermächte führen würden.
Durch das Studium vieler, erst in jüngsten Jahren wieder entdeckter Quellen, hauptsächlich aus georgischen Archiven, ist es Sebag Montefiore gelungen, ein spannendes, vielschichtiges und aus vielen Quellen zusammengefügtes Bild einer komplexen, unberechenbaren und faszinierenden Persönlichkeit zu erstellen, die schon in jungen Jahren die gleiche Zielstrebigkeit und Skrupellosigkeit, die der alte Stalin an den Tag legte, erkennen ließ. Fernab der späteren Hagiographie liest sich das Leben des Dichters und Revolutionärs, des Mörders und Bankräubers wie ein schlechtes Hollywoodskript und eröffnet faszinierende Einblicke und Querverbindungen zum späteren Leben des Diktators.

Absolute Empfehlung für Geschichtsinteressierte! :up:
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Joey am 5. April 2013 08:38

Jonas Jonasson - Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand

Alan Karlsson steigt an seinem 100. Geburtstag aus dem Fenster des Altersheims, weil er keine Lust auf feiern hat und so beginnt ein großes Abenteuer .. witzig und immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, was Alan da alles so erlebt hat :)
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Beitragvon Dr. Zoidberg am 5. April 2013 10:23

Fiktionen von Jorge Luis Borges

Im fünften Band seiner zwanzigteiligen Werkausgabe, den Fiktionen, sind Borges' Erzählungen - teils essayistischer, teils fantastischer Natur - der Jahre 1939 bis 1944 gesammelt. Ein verbindendes Thema konnte ich nicht wirklich ausmachen, abgesehen der Borges' Werk ohnehin durchziehenden Elemente wie dem Labyrinth, der langsamen Auflösung einer in der Realität fußenden Erzählung durch fantastische Elemente, sowie die Beschäftigung mit mythologischen und historischen Themen, die immer wieder durchscheint. Natürlich sprechen einen bei einer derart breit gestreuten Sammlung nicht alle Werke gleichermaßen an (einige fand ich eher langweilig), aber dafür enthält diese Sammlung absolute Klassiker, wie das unglaublich einflussreiche Tlön, Uqbar, Orbis Tertius oder Die Lotterie von Babylon, die zahlreiche spätere Autoren beeinflusst haben. Ansonsten haben mich besonders Die kreisförmigen Ruinen sowie Der Garten der Pfade, die sich verzweigen (und, wenn auch nicht so stark, Das geheime Wunder) fasziniert.
Ich bin auf Borges, dessen Werk sechs Jahrzehnten entspringt, gestoßen, da er viele meiner Lieblingsautoren wie Umberto Eco, Stanisław Lem oder auch Italo Calvino beeinflusst hat/beeinflusst haben soll. Es war wunderschön, in einem eher zufällig ausgewählten Werk auf fast jeder Seite jene Einflüsse erkennen zu können, die sich auch in meinen Lieblingsbüchern von den oben genannten Autoren widerspiegeln. :up: Insofern kann ich Borges im Allgemeinen, und die Fiktionen im Speziellen nur weiterempfehlen! :)
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 7. April 2013 12:25

Das Aleph von Jorge Luis Borges

Auch der sechste Band der Werksausgabe Borges' enthält teils essayistische, teils fantastische Erzählungen, diesmal aus den Jahren 1944 bis 1952. Insgesamt haben mich hier ein paar Geschichten mehr und diese sogar noch stärker fasziniert als im Vorgängerband, Fiktionen. Besonders hervorheben möchte ich hier Der Unsterbliche, bestehend aus den Memoiren eines römischen Soldaten, der aus dem Fluss der Unsterblichkeit trinkt und fortan die Welt durchstreift, anfangs das Leben kostend, dann auf der Suche nach dem Fluss der Sterblichkeit. Auch die frühmittelalterliche Geschichte Die Theologen, die sich wie eine Kurzfassung mancher Bücher Umberto Ecos liest, wusste mich zu fesseln. Ganz besonders toll fand ich Das Haus des Asterion - ich könnte dutzende solcher Geschichten lesen, aber ich will hier gar nichts darüber verraten, viel zu befriedigend war es, mit Unvoreingenommenheit diese Zeilen zu entdecken. :)
Insgesamt haben mir die von der europäisch-nahöstlichen Antike inspirierten Erzählungen weit besser gefallen als jene, die im Lateinamerika des 18./19. Jahrhunderts spielen, mit Ausnahme der titelgebenden Geschichte, Das Aleph, wobei man auch anmerken muss, dass diese Erzählungen überall zugleich spielt.
Wieder eine große Empfehlung von mir! :upup:
Dr. Zoidberg
 

Beitragvon Dr. Zoidberg am 8. April 2013 13:02

Wie Joey hab auch ich den Bestseller aus Schweden gelesen, allerdings in englischer Fassung. :)

The Hundred-Year-Old Man who Climbed Out of the Window and Disappeared by Jonas Jonasson

Am Tag seines 100. Geburtstages beschließt Allan Karlsson, dass er schlichtweg keine Lust hat, diesen unter der Fuchtel der Pflegeheimdirektorin zu verbringen - er hätte viel lieber etwas Vodka. Also steigt er aus dem Fenster und macht sich auf den Weg, schnell verfolgt von Presse, Polizei - und einer Dealerbande, der Allan einen Koffer mit ein paar Millionen Kronen abluchst.
Doch Allan ist nicht lange alleine unterwegs, rasch schließen sich auf seinem blutigen Roadtrip durch Schweden Weggefährten an, die bald eine sehr bunte Truppe ergeben. Und die Rückblenden in Allans bewegtes Leben - zwischen Ost und West, Präsidenten, Diktatoren und Atombombenprogrammen - zeigen, dass der 100jährige mit allen Wassern gewaschen ist.

Ein sehr sehr amüsant, erfrischend und interessant geschriebenes Buch, absolut unvorhersehbar, manchmal absurd-komisch, dann unerwartet brutal, aber immer (!) liebenswert. Während die aktuelle Handlung einen Querschnitt durchs moderne Schweden liefert, führt Allans Lebensgeschichte an fast allen wichtigen Stationen des 20. Jahrhunderts vorbei.
Ein Buch, das wirklich Spaß macht! :up:
Dr. Zoidberg
 

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